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Bericht02. September 2026

CHF-Stablecoin und EURAU: Nationale Stablecoin-Strategien im Vergleich

Deutschland setzt mit AllUnity und EURAU auf einen lizenzierten Einzelemittenten, die Schweiz beim Franken auf eine Banken-Sandbox mit Swiss Stablecoin AG.

Zwei Währungen, zwei Wege

Während Deutschland mit AllUnity und dem Euro-Stablecoin EURAU einen Emittenten mit vollständiger BaFin-E-Geld-Lizenz hervorgebracht hat, verfolgt die Schweiz beim Franken einen anderen, kollaborativeren Weg: eine gemeinsame Sandbox mehrerer Grossbanken mit einem spezialisierten Infrastrukturanbieter statt eines einzelnen lizenzierten Emittenten.

AllUnity: ein einzelner, vollständig lizenzierter Emittent

AllUnity GmbH, das 2023 als Gemeinschaftsunternehmen von DWS, Flow Traders und Galaxy Digital gegründete Frankfurter Unternehmen, erhielt im Juli 2025 eine E-Geld-Lizenz der BaFin und brachte mit EURAU einen vollständig durch Euro-Reserven gedeckten Stablecoin auf den Markt. Der Weg über eine reguläre E-Geld-Lizenz bedeutet: Ein einzelner, klar verantwortlicher Emittent steht am Ende der Wertschöpfungskette und haftet gegenüber Aufsicht und Nutzern.

Swiss Stablecoin AG: Infrastruktur für einen Bankenverbund

Die 2022 von der früheren Politikerin Pascale Bruderer gegründete Swiss Stablecoin AG verfolgt einen anderen Ansatz: Statt selbst als alleiniger Emittent aufzutreten, stellt das Berner Unternehmen die technische Infrastruktur für eine im April 2026 gestartete CHF-Stablecoin-Sandbox bereit, an der sich mit UBS, PostFinance, Sygnum, Raiffeisen, der Zürcher Kantonalbank und der Banque Cantonale Vaudoise gleich sechs etablierte Schweizer Finanzinstitute gemeinsam beteiligen. Die Sandbox läuft auf Ethereum als ERC-20-Token und soll über das Jahr 2026 hinweg praktische Erfahrungen sammeln, bevor über eine reguläre Lancierung entschieden wird.

Regulatorischer Kontext statt Wettlauf

Der Unterschied ist auch regulatorisch bedingt: Während MiCAR in der EU seit Ende 2024 einen einheitlichen, aufsichtsrechtlich klar definierten Rahmen für E-Geld-Token vorgibt, existiert in der Schweiz noch kein vergleichbar spezifisches Stablecoin-Regime - die FINMA verfolgt hier ihren generellen technologieneutralen, tätigkeitsbasierten Aufsichtsansatz. Ein koordiniertes Sandbox-Modell mit mehreren Bankpartnern erlaubt es den beteiligten Instituten, regulatorische Fragen gemeinsam mit den Behörden zu klären, bevor ein einzelnes Unternehmen das volle Emittentenrisiko allein trägt.

Gemeinsamkeiten trotz unterschiedlicher Wege

Trotz der unterschiedlichen Strukturen verfolgen beide Projekte ähnliche Ziele: institutionelle Anwendungsfälle wie grenzüberschreitende Zahlungen, die Abwicklung tokenisierter Vermögenswerte und Treasury-Anwendungen, nicht das Privatkundengeschäft. Beide Länder zeigen damit, dass die Tokenisierung nationaler Fiatwährungen in der DACH-Region längst über das Stadium reiner Kryptomarkt-Experimente hinausgewachsen ist und zunehmend von etablierten Finanzinstituten selbst vorangetrieben wird.

Erwähnte Personen & Organisationen

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