Crypto Valley: Wie aus Zug ein globaler Blockchain-Cluster wurde
Von der Ethereum Foundation über DFINITY bis zur Crypto Valley Association: eine Bestandsaufnahme des Zuger Blockchain-Ökosystems und seiner tragenden Organisationen.
Von der Ethereum Foundation zum Protokoll-Cluster
Crypto Valley, die informelle Bezeichnung für den Blockchain-Cluster rund um den Kanton Zug, begann 2013 mit der Ansiedlung der Ethereum Foundation. In den Folgejahren zogen weitere Protokoll-Stiftungen nach: Cardano Foundation, Web3 Foundation und Centrifuge Foundation sind allesamt in Zug ansässig und bereits Teil des CryptoDialog-Verzeichnisses. Der Cluster hat sich seither deutlich über Zug hinaus ausgedehnt und reicht heute nach Zürich, Basel, Genf und Lausanne.
DFINITY: ein zweites großes Protokoll aus Zug
Neben den bereits genannten Stiftungen prägt die DFINITY Foundation den Standort. Die 2016 in Zug gegründete Non-Profit-Organisation entwickelt den Internet Computer, eine Blockchain-Plattform, die Web-Anwendungen vollständig dezentral ausführen soll – ohne die klassische Cloud-Infrastruktur großer Hyperscaler. DFINITY betreibt mittlerweile eines der größten Forschungsteams für fortgeschrittene Kryptographie und verteilte Systeme in der Schweiz, mit einem zusätzlichen Forschungszentrum in Zürich. Gründer und Chief Scientist ist Dominic Williams.
Die Crypto Valley Association als organisatorischer Rahmen
Der 2017 gegründete Branchenverband Crypto Valley Association bündelt das Ökosystem organisatorisch. Zu seinen Mitgliedern zählen unter anderem Bitcoin Suisse, Sygnum Bank, AMINA Bank und Taurus – allesamt bereits im CryptoDialog-Verzeichnis vertreten. Seit September 2025 leitet Jérôme Bailly den Verband als Präsident des Vorstands. Die jährliche Crypto Valley Conference in Zug ist die zentrale Veranstaltung des Verbands und bringt Branchenvertreter aus ganz Europa zusammen.
Sicherheit als eigene Disziplin: ChainSecurity
Ein Ökosystem aus Protokollen und Finanzdienstleistern braucht auch spezialisierte Sicherheitsprüfung. ChainSecurity, rechtlich die Zürcher Decentralized Security AG, wurde 2017 als Spin-off der ETH Zürich gegründet und hat sich auf Smart-Contract-Audits spezialisiert. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben mit über 75 Blockchain-Projekten, Börsen und Banken zusammengearbeitet und veröffentlicht bis heute laufend aktuelle Audit-Berichte – ein Hinweis darauf, dass technische Sicherheitsprüfung neben Protokollentwicklung und institutioneller Finanzdienstleistung zu einer dritten tragenden Säule des Zuger Ökosystems geworden ist.
Warum die Konzentration in Zug entstand
Die Anziehungskraft von Zug lässt sich nicht auf einen einzelnen Faktor reduzieren: eine im Vergleich zu anderen Schweizer Kantonen unternehmensfreundliche Steuerpolitik, die frühe Bereitschaft der Gemeinde, Kryptowährungszahlungen für Verwaltungsgebühren zu akzeptieren, und die Signalwirkung der Ethereum-Foundation-Ansiedlung wirkten zusammen. Regulatorisch profitiert der gesamte Cluster von der FINMA, deren prinzipienbasierter Aufsichtsansatz gegenüber Blockchain-Unternehmen im internationalen Vergleich früh Rechtssicherheit schuf.
Fazit
Crypto Valley ist kein einzelnes Unternehmen und kein einzelnes Gebäude, sondern das Zusammenspiel aus Protokoll-Stiftungen (Ethereum, Cardano, Web3, Centrifuge, DFINITY), einem organisierenden Branchenverband (Crypto Valley Association) und spezialisierten Dienstleistern wie ChainSecurity. Diese Kombination aus Grundlagenforschung, institutioneller Organisation und technischer Prüfkompetenz erklärt, warum der Kanton Zug – ein Gebiet mit weniger als 130.000 Einwohner:innen – international als Referenzpunkt für die Blockchain-Branche gilt.