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CryptoDialog
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Bericht06. September 2026

Die Krypto-Landschaft im DACH-Raum: Deutschland, Österreich und die Schweiz im Vergleich

Institutionelle Bankenintegration in Deutschland, verbandsgetragene Konsolidierung in Österreich, geografisch verteilte Infrastrukturvielfalt in der Schweiz: eine Einordnung anhand der im Verzeichnis dokumentierten Organisationen und Events.

Ein Wirtschaftsraum, drei unterschiedliche Ausgangslagen

Deutschland, Österreich und die Schweiz teilen Sprache und enge wirtschaftliche Verflechtung, unterscheiden sich in ihrer Krypto- und Blockchain-Landschaft aber deutlich. Dieser Beitrag ordnet ein, was sich anhand der im CryptoDialog-Verzeichnis dokumentierten Organisationen, Personen und Events beobachten lässt – ausdrücklich als Einordnung auf Basis der bislang recherchierten Fälle, nicht als statistisch vollständige Bestandsaufnahme der drei Länder.

Deutschland: etablierte Bankenlandschaft trifft auf regulierte Handelsplätze

Der deutsche Markt zeigt ein auffälliges Muster: Traditionelle Großbanken erschließen sich Krypto-Dienstleistungen zunehmend über Partnerschaften statt über vollständige Eigenentwicklung. Die Commerzbank bietet seit September 2024 Kryptoverwahrung für Firmenkund:innen an und kooperiert dabei mit der Crypto Finance AG, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Börse. Die Deutsche Bank bereitet für 2026 ein vergleichbares, aber eigenständiges Angebot vor – in Kooperation mit dem Schweizer Unternehmen Taurus und der österreichischen Bitpanda Technology Solutions. Beide Fälle zeigen: Deutsche Institutionen verlassen sich für die technische Infrastruktur regelmäßig auf spezialisierte Anbieter aus dem gesamten DACH-Raum, nicht nur aus dem eigenen Land.

Daneben bildet Frankfurt am Main mit Börse Stuttgart Digital Exchange, der Deutschen Börse Group und regelmäßigen Fachkonferenzen wie der Crypto Assets Conference einen institutionellen Schwerpunkt, während Berlin mit einer dezentral organisierten, community-getragenen Veranstaltungsreihe (Berlin Blockchain Week) einen anderen, stärker entwicklerorientierten Charakter zeigt. Auch die Wissenschaft ist vertreten: Die TUM Blockchain Conference wird jährlich vom studentischen TUM Blockchain Club der Technischen Universität München veranstaltet.

Österreich: ein kompakter Markt mit sichtbarer Verbandsarbeit

Österreichs Krypto-Sektor ist kleiner, aber ungewöhnlich gut organisiert. Die Digital Asset Association Austria (DAAA), 2018 gegründet, bringt mit über 40 institutionellen Mitgliedern – von Bitpanda bis zur Erste Group – Start-ups, internationale Handelsplätze und Bankengruppen an einen Tisch und organisiert mit dem Global Digital Asset Forum ein wachsendes, mehrtägiges Veranstaltungsformat, in das die zweitägige Vienna Blockchain Week eingebettet ist. Dass internationale Anbieter wie KuCoin EU und Bybit EU ihre EU-Lizenzen ausgerechnet in Wien verankert haben, unterstreicht diesen Anspruch zusätzlich.

Abseits von Wien zeigt sich Österreichs Sektor regional differenziert: Graz bringt mit Coinfinity einen auf Bitcoin spezialisierten Broker und mit BlockchainHub Graz eine gemeinnützige Bildungsinitiative hervor, während Linz mit Blockpit einen auf Krypto-Steuerreporting spezialisierten RegTech-Anbieter beheimatet – ein Hinweis darauf, dass sich die österreichische Szene nicht ausschließlich auf die Hauptstadt konzentriert.

Schweiz: die breiteste Basis, von Zug bis an den Genfersee

Die Schweiz zeigt im Verzeichnis die größte geografische und funktionale Bandbreite. Das Zuger „Crypto Valley" bündelt mit der Ethereum Foundation, der Cardano Foundation, der Web3 Foundation, der Centrifuge Foundation und der DFINITY Foundation gleich mehrere bedeutende Protokoll-Stiftungen, organisatorisch zusammengehalten von der 2017 gegründeten Crypto Valley Association. In Zürich ergänzen ChainSecurity (Smart-Contract-Sicherheitsaudits) und etablierte Bankhäuser wie Julius Bär, die über Partnerschaften mit spezialisierten Instituten wie AMINA Bank Zugang zu digitalen Vermögenswerten anbieten, das Bild.

Genf zeigt einen dritten, deutlich stärker auf Verwahrung und regulierte Infrastruktur ausgerichteten Schwerpunkt: Taurus (digitale Vermögensinfrastruktur für Banken und Börsen) und das 2016 gegründete Fintech Mt Pelerin sind hier beheimatet. Lausanne wiederum steht mit Metaco – 2023 für 250 Millionen US-Dollar von Ripple übernommen – für institutionelle Verwahrungstechnologie abseits der bekannteren Zentren. Und Lugano zeigt mit der Plan-₿-Initiative, einer gemeinsamen Bitcoin-Zahlungsinitiative der Stadt und des Stablecoin-Emittenten Tether, einen vierten, öffentlich-privaten Ansatz, der sich von den übrigen Schweizer Beispielen deutlich unterscheidet. PostFinance schließlich zeigt mit ihrem seit Februar 2024 laufenden Krypto-Handelsangebot, dass auch das Schweizer Retail-Banking den Zugang zu digitalen Vermögenswerten sucht.

Wo die Länder sich unterscheiden – und wo dem Verzeichnis noch Tiefe fehlt

Drei Muster lassen sich aus den bisher recherchierten Fällen ableiten, ohne daraus allgemeingültige Rangfolgen abzuleiten: Deutschland zeigt die stärkste Konzentration etablierter Großbanken, die sich Krypto-Dienstleistungen über Partnerschaften erschließen. Österreich zeigt die sichtbarste Verbandsarbeit, gebündelt durch eine einzelne, aktive Organisation. Die Schweiz zeigt die größte Bandbreite unterschiedlicher Geschäftsmodelle – von Protokoll-Forschung über Verwahrungsinfrastruktur bis zu einer öffentlich-privaten Stadtinitiative – verteilt auf mehrere Regionen statt auf ein einzelnes Zentrum.

Ebenso wichtig ist, was das Verzeichnis noch nicht abbildet: Städte wie Genf und Basel sind in der Schweiz, Köln und Düsseldorf in Deutschland bislang nur mit einzelnen oder gar keinen Organisationen vertreten, obwohl in allen vier Städten reale, aber bislang nicht ausreichend verifizierte Aktivität existiert. Diese Lücken werden hier bewusst benannt, statt sie durch unsichere Angaben zu füllen.

Fazit

Der DACH-Raum ist kein einheitlicher Krypto-Markt, sondern drei unterschiedlich strukturierte Ökosysteme mit eigenen Schwerpunkten: institutionelle Bankenintegration in Deutschland, verbandsgetragene Konsolidierung in Österreich, und geografisch verteilte Infrastrukturvielfalt in der Schweiz. Für ein vollständigeres Bild braucht es weitere, ebenso sorgfältig verifizierte Ergänzungen – dieser Beitrag beschreibt den aktuellen Stand der Recherche, nicht deren Endpunkt.

Erwähnte Personen & Organisationen