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Bericht05. September 2026

Der österreichische Krypto-Sektor: Von Bitpanda bis zur Bildungsarbeit in Graz

Vier österreichische Organisationen zeigen die Bandbreite des Sektors: ein EU-weit lizenzierter Handelsplatz, ein Bitcoin-Broker, ein Compliance-Anbieter und eine gemeinnützige Bildungsinitiative.

Ein kleines Land mit überproportionalem Gewicht

Österreich stellt mit Bitpanda eines der größten Krypto-Unternehmen Europas – und ist zugleich Standort einer Reihe kleinerer, aber international sichtbarer Firmen abseits von Wien. Vier Beispiele zeigen, wie unterschiedlich der österreichische Krypto-Sektor aufgestellt ist: ein Handelsplatz aus Wien, ein Bitcoin-Broker aus Graz, ein Steuer-Softwareanbieter aus Linz und eine gemeinnützige Bildungsinitiative, ebenfalls aus Graz.

Bitpanda: vom Wiener Start-up zum EU-weit lizenzierten Handelsplatz

Bitpanda wurde 2014 in Wien gegründet und zählt zu den größten europäischen Handelsplattformen für Kryptowerte, Edelmetalle, Aktien und ETFs. Im Januar 2025 erhielt das Unternehmen als eines der ersten europäischen Krypto-Anbieter eine vollständige MiCAR-Lizenz – ausgestellt von der deutschen BaFin und damit gültig für regulierte Geschäftstätigkeit in allen EU-Mitgliedstaaten. Zusätzlich unterliegt Bitpanda der Aufsicht der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA). Das Unternehmen zeigt damit ein Muster, das für größere DACH-Krypto-Anbieter zunehmend typisch wird: nationale Aufsicht durch die Herkunftsbehörde (FMA) plus eine europaweit gültige MiCA-Lizenz aus einem zweiten Mitgliedstaat.

Coinfinity: Bitcoin-Fokus aus der Steiermark

Während Bitpanda ein breites Handelsangebot über viele Anlageklassen hinweg aufgebaut hat, verfolgt das 2014 in Graz gegründete Unternehmen Coinfinity einen bewusst schmaleren Ansatz: Käufer und Verkäufer von Bitcoin, ergänzt um automatisierte Sparpläne und eine eigene Wallet mit Lightning-Network-Anbindung. Coinfinity brachte 2014 den ersten Bitcoin-Geldautomaten Österreichs auf den Markt und ist heute ebenfalls als Kryptowerte-Dienstleister nach der EU-Verordnung MiCA reguliert. CEO und Mitgründer ist Max Tertinegg. Dass ein zweites relevantes Krypto-Handelsunternehmen aus der Steiermark statt aus Wien stammt, unterstreicht, dass sich der österreichische Krypto-Sektor nicht auf die Hauptstadt beschränkt.

Blockpit: Compliance- und Steuer-Software aus Linz

Ein drittes Standbein des österreichischen Sektors ist regulatorische Infrastruktur statt Handel: Das 2017 in Linz gegründete Unternehmen Blockpit bietet eine Plattform, die Transaktionen aus mehr als 750 Börsen, Wallets und Blockchains automatisiert zusammenführt und daraus strukturierte Steuerberichte für Privatanwender:innen, Steuerberater:innen und Institutionen erstellt. CEO und Mitgründer ist Florian Wimmer. Dass Blockpit eine Wachstumsfinanzierung von der Raiffeisen Bank International erhalten hat, zeigt ein wachsendes institutionelles Interesse etablierter Bankengruppen an Krypto-nahen Compliance-Werkzeugen – ein Muster, das sich in ähnlicher Form auch bei anderen DACH-Anbietern für digitale Verwahrung und Tokenisierung beobachten lässt.

BlockchainHub Graz: gemeinnützige Bildungsarbeit abseits des Marktes

Neben kommerziellen Anbietern prägt auch zivilgesellschaftliches Engagement den österreichischen Sektor. BlockchainHub Graz wurde im Juni 2016 als gemeinnützige Organisation gegründet mit dem Ziel, Blockchain-Technologie einem nicht-technischen Publikum verständlich zu machen und Akteur:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft im steirischen Ökosystem zu vernetzen. Dass sich gleich zwei der hier vorgestellten Organisationen – Coinfinity und BlockchainHub Graz – in Graz statt in Wien angesiedelt haben, macht die Stadt neben der Hauptstadt zu einem zweiten, kleineren Schwerpunkt der österreichischen Krypto-Szene.

Regulatorischer Rahmen: FMA und MiCA

Alle in Österreich tätigen Kryptowerte-Dienstleister unterliegen der Aufsicht der Finanzmarktaufsicht (FMA) sowie, seit dem EU-weiten Anwendungsbeginn der MiCA-Verordnung, zusätzlich einem harmonisierten europäischen Lizenzregime. Für Nutzer:innen bedeutet das: Eine MiCA-Lizenz – unabhängig davon, in welchem EU-Mitgliedstaat sie erteilt wurde – berechtigt zur regulierten Geschäftstätigkeit im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum. Der konkrete Lizenzstatus eines Anbieters sollte dennoch stets direkt bei der zuständigen Aufsichtsbehörde verifiziert werden, da sich regulatorische Einstufungen ändern können.

Fazit

Der österreichische Krypto-Sektor ist kleiner als der deutsche oder der schweizerische, zeigt aber eine für seine Größe bemerkenswerte Bandbreite: einen europaweit lizenzierten Handelsplatz (Bitpanda), einen Bitcoin-spezialisierten Broker (Coinfinity), einen institutionell unterstützten Compliance-Anbieter (Blockpit) und eine gemeinnützige Bildungsinitiative (BlockchainHub Graz) – verteilt auf zwei Städte, Wien und Graz, statt auf einen einzigen Standort konzentriert.

Erwähnte Personen & Organisationen

Der österreichische Krypto-Sektor: Von Bitpanda bis zur Bildungsarbeit in Graz · CryptoDialog